Herbert Eichholzer: BLAUPAUSE

Nachzeichnungen in der Steiermark
18. August – 16. Oktober 2022
FreiRaum Eisenerz und andere Schauplätze

Ausstellung, kuratiert von Alexandra Riewe  

Bestandteil des Parallelprogramms des steirischen herbst ’22

 

BLAUPAUSE zeichnet die Spuren des Architekten und Widerstandskämpfers Herbert Eichholzer (1903 – 1943) außerhalb von Graz nach. Ausgangspunkt und Hauptschauplatz für eine dokumentarische Ausstellung ist ein nach Eichholzers Plänen errichtetes Geschäfts- und Wohnhaus in Eisenerz, in dem sich heute der FreiRaum Eisenerz befindet.
Die medial aufbereitete Schau wird begleitet durch Besichtigungsfahrten zu Orten seines Engagements, durch Lesungen, Gesprächsrunden und politischen Diskussionen an verschiedenen Orten.

Er lebte für das „Neue Bauen“ und musste sterben, weil er ein erbitterter Gegner des NS-Regimes war. Der weltoffene, kompromisslose Architekt Herbert Eichholzer ist nach wie vor aktuell. Er war ein Wegbereiter der Moderne in Österreich und ein mutiger Widerstands-kämpfer gegen die Nationalsozialisten.

Als Schüler und Freund von Friedrich Zotter und Volontär bei Le Corbusier bekannte er sich zum Funktionalismus und vertraute in seiner Baukunst geometrischen Formen wie Würfel, Quader, Quadrat und Kreis. Reduktion sowie ein Streben nach Leichtigkeit, Licht und Offenheit prägten seine Entwürfe. Fast alle seiner realisierten Bauten wurden später durch Umbauten so stark entstellt, dass die ursprüngliche Bausubstanz kaum mehr zu erkennen ist.

Das Projekt BLAUPAUSE konzentriert sich auf Eichholzers architektonisches Schaffen steiermarkweit und beleuchtet sein politisches Engagement in führenden Kreisen der Sozialdemokraten und später der KPÖ. Die Rezeption des Kommunismus in der Vergangenheit und heute erscheint angesichts der jüngsten weltpolitischen Entwicklung und in einer Stadt mit kommunistischer Bürgermeisterin besonders brisant und wird im Zuge einer politischen Diskussion im Volkshaus Graz erörtert.

Screenshots aus dem Film „Herbert Eichholzer – Ein Porträt“ (2016, Regie: Michael Domian)

 

Herbert Eichholzer:

Geboren 1903 in Graz, Architekturstudium an der Technischen Hochschule in Graz. Schloss sich 1927 der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreich und 1932 dem Republikanischen Schutzbund an. Er gehörte zum Prenninger Kreis, einer Gruppe von oppositionellen Grazer Intellektuellen, einem Nukleus des Widerstands in der Steiermark. 1932 verbrachte Eichholzer mehrere Monate in Moskau, 1934 nahm er an den Februarkämpfen teil und wurde Mitglied der KPÖ. Im März 1938 emigrierte er nach Paris und ging dann nach Ankara, wo er für Clemens Holzmeister arbeitete und die Auslandsgruppe der KPÖ in der Türkei aufbaute. Im Frühling 1940 kehrte er zurück nach Graz und setzte hier seine Tätigkeit im Widerstand fort. Er meldete sich freiwillig zum Wehrdienst, wurde im Februar 1941 verhaftet, wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und am 7.1.1943 hingerichtet.

Screenshots aus dem Film „Herbert Eichholzer – Ein Porträt“ (2016, Regie: Michael Domian)

 

Kooperationspartner*innen:
steirischer herbst | CLIO | KiöR Steiermark | Prenninger Gespräche | Werkstadt Graz
sowie verschiedene Expert*innen