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Fulminanter Abend brachte Weltstadtflair in die Bergstadt

Nahezu 150 EisenerzerInnen waren der Einladung zu VERWURZELT: Munichthal & Eibel Erzberg am Sonntag, 19.09. in die Galerie Fedl gefolgt. Schon beim Entrée stach eine bunt gestaltete Wandprojektion brandneuer, bisher unveröffentlichter Eibel Erzberg Gedichte ins Auge, der Blick wurde dann aber rasch gefangen genommen von den dicht gehängten, detailreichen und äußerst farbenfrohen

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VERWURZELT: Munichthal & Eibel Erzberg

Sonntag, 19. September 2010, 17.30 Uhr
Galerie Fedl, Eisenerz

Unter dem Titel VERWURZELT präsentiert eisenerZ*ART in Eisenerz geborene oder aufgewachsene KünstlerInnen und Kreative. Den Auftakt bilden zwei Künstler, bei denen sich die Herkunft sogar in ihren Künstlernamen niederschlägt: Munichthal und Eibel Erzberg.

„Neo Pop Symbolismus“ nennt der bildende Künstler Munichthal seinen Stil, in dem er Zeichen und Gegenstände der Populär- und Alltagskultur mit Anklängen an die Symbolwelten alter Kulturen verknüpft. Sein bemalter Mercedes, der Kultcharakter hat, ist Teil der Ausstellung.

Die Gedichte von Stephan Eibel Erzberg spiegeln dessen amüsiert-verzweifelte Verzweiflung über das Menschsein wider. Sprachlich kompromisslos gewährt der Dichter Einblick in seine ironisch-verletzliche Seele: „ich sitz – seit 1953 – im zug der zeit ohne anschluss an die ewigkeit…“

Erweitert wird der Abend durch ein kurzes Konzert der unnachahmlichen Chansonette Lucy McEvil und des Pianisten Martin Kratochwil, u.a. mit Liedern nach Texten von Eibel Erzberg. Unter dem Motto „Heavy Easy Listening“ legt Lucy danach noch Platten auf.

Einführend spricht Rainer Rosegger zum Thema Verwurzelung – Entwurzelung.

 


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PROGRAMM IM DETAIL

Der Beginn einer Projektreihe, die dem Phänomen der VERWURZELUNG (oder auch ENTWURZELUNG) auf den Grund geht. Zunächst am Beispiel zweier in Eisenerz geborener Künstler, die sich, längst anderswo lebend, in ihrer Identität als Künstler auf Orte beziehen, die symbolträchtig für den Wandel und die spezifische Geschichte von Eisenerz stehen.

Die Künstlernamen der beiden lauten Munichthal und Eibel Erzberg.

Wie kam es dazu, was verbindet sie und was ließ sie flüchten, und wie sehen sie heute das Münichtal, den Erzberg, die Heimat Eisenerz? Rainer Rosegger, Kultursoziologe und Eisenerz-Insider, erfragt in einem einführenden Gespräch diese Aspekte.

Munichthals Malerei, die er selbst als Neo-Pop-Symbolismus bezeichnet, verbindet Anklänge an die Symbolwelten alter Kulturen mit dem Zeichen- und Gegenstandsrepertoire der modernen Populär- und Alltagskultur und knüpft daraus feine, bunte Flechtwerke, in denen sich die Lust an dekorativen Oberflächen mit gedanklicher Tiefe trifft. Als Symbol für diese Verschmelzung des Disparaten begegnet man in seinen Bildern immer wieder dem Doppelkopf, der zu einer Art Markenzeichen geworden ist. Der Diplomgrafiker und Psychologe, der lange in der Medien- und Werbebranche tätig war, stellt seit 1996 als bildender Künstler aus. In Eisenerz wird er neben zwei speziell für Eisenerz gefertigten Bildern auch seinen bemalten Mercedes Benz präsentieren.

Stephan Eibel Erzberg, 1953 in Eisenerz geboren, seit 1972 als freier Schriftsteller in Wien lebend, ist für seine anarchischen, unterhaltsamen Auftritte bekannt. In Eibel Erzbergs Gedichten spiegelt sich dessen amüsiert-verzweifelte Verzweiflung über das Menschsein wider:  „ich sitz – seit 1953 – im zug der zeit / ohne anschluss an die ewigkeit / streck meine gedanken aus / und will: applaus applaus applaus“.
In seinem letzten Roman „Sofort verhaften!“ (erschienen 2008) beschreibt er einen Dichter namens Magnus Amen, übergewichtig und schnell außer Atem, einen Abweichler und Mitglied des sehr geheimen Ordens der Rosenbrüder, der ein Haus in seinem Heimatort Eisenerz erbt: „Es ist eine Geschichte über Stadt und Land, Jugend und Alter, Gemeinschaftssinn und Eigensinn.“ Der lyrische Anarchist Eibel Erzberg will seinem Publikum ein ähnliches Gefühl vermitteln, wie er es seinerzeit bei der Lektüre von Brecht empfand: Zorn, Wut, Entsetzen. Sein Wunsch ist, der Leser wirft das Buch ins Eck, holt es wieder und wirft es noch einmal ins Eck, schrieb Peter Pisa im Kurier. Eibel Erzberg: „Wir haben nur uns. Wir sind die Einzigen. Ohne Lebewesenliebe geht nichts.“

Lucy McEvil, Diseuse, Schauspielerin, Autorin und Szeneberühmtheit aus Wien, Alter und Geburtsort unbekannt, sorgt mit einem kurzen Konzert für den passenden musikalischen Kontrapunkt. Ihr Repertoire reicht von Wienerlied über Jazzrock bis zum Chanson und zum von ihr selbst geprägten Heavy Chanson (nach Texten u.a. von Eibel Erzberg). Begleitet wird sie vom Pianisten und Komponisten Martin Kratochwil, der mit eigenwilligen Interpretationen von bekannten Songs und stark vom Original abweichenden Arrangements einen sehr persönlichen Blickwinkel auf vorhandenes Songmaterial wirft und zudem in Eigenkompositionen Gedichte zeitgenössischer Autoren vertont. Zu guter Letzt legt Lucy McEvil unter dem Motto „Heavy Easy Listening“ noch Platten auf.

Mit der Programmreihe VERWURZELT sollen Künstler, die in Eisenerz ihre Kindheit oder Jugend verbrachten, mit Werkpräsentationen vorgestellt und zu einer erneuten Auseinandersetzung mit ihrem Herkunftsort eingeladen werden, wobei Haltungen und Sichtweisen zu Eisenerz hier durchaus kontroversiell zum Ausdruck kommen können. Die Reihe erfüllt somit exemplarisch eines der Leitziele von eisenerZ*ART, das man als OUTSIDE-IN und INSIDE-OUT bezeichnen könnte: nämlich mit Kunst und Kultur die Auseinandersetzung mit der Stadt und den Austausch zwischen der Stadt und der Welt zu fördern und so vielleicht neue Chancen und Handlungsräume zu eröffnen.

 

Eine Veranstaltung im Rahmen von eisenerZ*ART 2010
Veranstalter: Stadtgemeinde Eisenerz in Kooperation mit dem Innerberger Forum.
Mit freundlicher Unterstützung von: Land Steiermark | Kultur & Land Steiermark | Volkskultur, Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur

Künstlerische Leitung: Gerhild Illmaier | Produktion: GIL art.infection | Grafik Design: Nicole Zaiser | Technik Support: Reini Schenkermaier © plus-it.com und Erich Niederhofer